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Referat 10 - Präventive Konservierung

Das Referat „Präventive Konservierung“ beschäftigt sich mit folgenden Themen:

  • Klima und Klimastabilität
  • Strahlung und Lichtschutz
  • Schadstoffe
  • Schädlinge
  • Materialkundliche Fragestellungen in der Restaurierung
  • Wartung und Pflege / Housekeeping
  • Notfallplanung
  • Transport und Leihverkehr
  • Zerstörungsfreie Methoden der Zustandsanalyse und Charakterisierung von Kunst- und Kulturgut
  • Risikoanalyse
  • Haustechnische Systeme / Klimatechnik
  • Klimamessungen / -analysen
  • Zielwerte
  • Begriffe und Definitionen

Diese Themen sind in der Hauptsache auf folgende Objekte und Zielgruppen gerichtet:

  • Architekturgebundene Glasmalerei
  • Sakralbauten
  • Historischer Baubestand
  • Museen und Sammlungen
  • Bibliotheken und Archive
  • Bedrohte Umgebungen
  • Bewegliches Kunst- und Kulturgut
  • Skulpturen im Außenbereich 

Das Referat ist in die fachliche Diskussion der präventiven Konservierung eingebunden, die die Vielzahl indirekter Maßnahmen bündelt, mit der die Schäden an historischen Fassun-gen der Bauteiloberflächen und Ausstattung wirksam unterbunden werden. Dabei stehen insbesondere technische und bauliche Fragen im Zentrum der fachlichen Auseinanderset-zung. Das Referat strebt ganzheitliche und interdisziplinär getragene Diskussionen zum Erhalt des kulturellen Erbes an. Neben der Erfassung und Bewertung der komplexen Wech-selwirkungen an den Oberflächen, wie auch am gesamten konstruktiven Aufbau eines Ob-jekts bzw. Bauwerkes sollen Maßnahmen zur Verbesserung der Klima-, Licht- und Raum-luftbedingungen unter Berücksichtigung von Nutzung und Gebäudebetrieb zum nachhalti-gen Erhalt des Denkmalbestands und seiner historischen Ausstattung herausgearbeitet werden.

 

Die Präventive Konservierung umfasst insbesondere indirekte Maßnahmen zur Verbesse-rung der Umgebungsbedingungen mit dem Ziel der Vermeidung von Schäden an Kunst-werken, Gebäuden und deren Ausstattung. Im Vordergrund der Präventiven Konservierung steht die sorgsame Analyse und Bewertung des Ist-Zustands, als Voraussetzung für die Ausarbeitung von konservatorischen Maßnahmen zum Erhalt des Bestands und zur Mini-mierung der konstruktions-, raum- und objektspezifischen Risiken.

 

Das Referat und seine Arbeitsgruppen widmen sich der Suche nach wirksamen und auf lange Sicht wirtschaftlichen Konzepten, um den schädigenden Einflüssen wirksam zu begegnen.

 

Das Referat „Präventive Konservierung“ ist bestrebt, alle mit dem Erhalt von Kulturgut ver-trauten und betrauten Kreise in interdisziplinärer Weise und im konstruktiven Dialog in die Referats- und Arbeitsgruppenarbeit einzubinden.

 

Die Kompetenz der Referatsmitglieder fließt in die Erstellung von WTA Merkblättern und WTA-Sachstandsberichten ein. Alle Arbeitsergebnisse und Erkenntnisse sollen im Sinne eines Transfers und einer Vermittlung des im Referat gesammelten Wissens in nationalen, europäischen und internationalen Gremien und Institutionen, die sich dem Erhalt des kul-turellen Erbes annehmen, unter Beachtung der Statuten der WTA International zum Schutz und Erhalt des kulturellen Erbes eingebracht werden. Eine enge Kooperation mit den Natio-nalen Gruppen der ICOMOS, der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger VDL, dem Verband der Restauratoren VDR und den nationalen (DIN), europäischen (CEN) und internationalen Normungsgremien ist zur Verbreitung des erarbeiteten Wissens vorgesehen. Auch sollen Forschungsverbünde, die im Kontext der Referatsarbeit tätig sind, ideell und inhaltlich unterstützt werden.

 

Aktuelle Themen werden, sofern erforderlich, zeitnah in den bestehenden Arbeitskreisen bearbeitet. Das Referat ist bestrebt, alle interessierten Fachkreise anzusprechen, um die fachliche Expertise im Bereich der Präventiven Konservierung zu bündeln und die Erkennt-nisse aus Wissenschaft und Praxis zusammenzuführen.

 

Mitglieder des Referates haben bereits das Merkblatt

                      6-12 "Klima und Klimastabilität in historischen Bauwerken I: Einführung "

erarbeitet, das im Juli 2011 noch im Referat 6 "Bauphysik" erschienen ist.

Unter dem Oberbegriff "Klima und Klimastabilität in historischen Bauwerken" sind bereits folgende Arbeitsgruppen aktiv.

Arbeitsgruppe 10.2: Begriffe und Definitionen

Leiter der Arbeitsgruppe: Dr. Thorsten Brockmann

 

In der Praxis werden zur Beurteilung vom Raumklima bedingter Beanspruchungen historischer Fassungen und originaler Ausstattung häufig unterschiedliche Begriffe für ein und denselben physikalischen Sachverhalt benutzt. Grund hierfür ist, dass bei derartigen Fragestellungen unterschiedlichste Fachdisziplinen (Denkmalpflege, Res-tauratoren, Naturwissenschaftler, unterschiedlichste Fachplaner, Architekten, Nutzer, Eigentümer, ausführende ‚Unternehmen, Hersteller von bau- und anlagentechnischen Produkten und Komponenten, Gebäudeleittechnik etc.) zusammenkommen, die bei gleichem Sachverhalt unterschiedliche Begriffe und Definitionen nutzen. Um aber mit einheitlichem Sprach- und Begriffsgebrauch klimabedingte Probleme erörtern und bewerten zu können und darüber hinaus auch geeignete denkmalgerechte Lö-sungsansätze entwickeln und bewerten zu können, wäre es vorteilhaft, Begrifflichkei-ten mit gleichem Verständnis zu verwenden. Ansonsten resultieren Verständigungs-probleme und Informationsdefizite, die oftmals Fehlermöglichkeiten nach sich zie-hen. Deren Folgen verzögern bzw. gar verhindern zielgerichtete Planungen und/oder Maßnahmen, insbesondere im Kontext mit Bewertungen und Maßnahmenentwick-lungen zur Raumluftkonditionierung historischer Räume.

Daher hat die Arbeitsgruppe die Sammlung, Vereinheitlichung ggf. die Bereinigung der in der Praxis verwendeten Begriffe hinsichtlich Wärme-, Wasser- und Wasser-dampftransport zum Ziel.

Das Ergebnis der Arbeitsgruppensitzungen soll als Sachstandsbericht veröffentlicht werden. Gegebenenfalls können aus diesem entsprechende Merkblätter generiert werden.

Arbeitsgruppe 10.3: Zielwerte für Raum- und Mikroklima (Sachstandsbericht)

Leiter der Arbeitsgruppe: Dr.-Ing. Dipl.-Rest. Ralf Kilian

 

Anlass für die Formulierung von Klimazielwerten ist das Wissen, dass bestimmte Raumklimabedingungen  Kunst- und Kulturgut einschließlich historischer Bausub-stanz langfristig schädigen. Dabei müssen sowohl der absolute Wertebereich des Raumklimas, als auch die kurzfristigen wie auch jahreszeitlichen Schwankungen Beachtung finden. 

 

Häufig bestehen Konflikte zwischen Klimaanforderungen, die sich aus der Erhaltung von Sammlungen, der Gebäudesubstanz sowie der Nutzung ergeben. Beispielweise stehen die Anforderungen an Komfort für Besucher und Personal im Widerspruch zu konservatorischen Zielwerten.

 

Auch unterscheiden sich die lokalen Mikroklimata innerhalb eines Gebäudes oder eines einzelnen Raums oft erheblich.

 

In Hinblick auf Klimazielwerte geben Museen und die Denkmalpflege unterschiedli-che Empfehlungen. So kann bspw. die Aufrechterhaltung eines „Museumsklimas“ in einem historischen Gebäude zu Schäden an der Bausubstanz führen.

Diese unterschiedlichen Ansätzen sollen hinterfragt und neu bewertet werden.

 

Ziel ist die Formulierung von Klimazielwerten für die Erhaltung von Kunst- und Kulturgut unter Berücksichtigung historischer Bausubstanz und deren besonderen Herausforderungen. Dabei sollen verschiedene Kunstgattungen, Materialien und Materialverbünde betrachtet werden. Im Sachstandsbericht sollen dazu zunächst die chemischen, biologischen und physikalischen Hintergründe klimatisch bedingter Schadensprozesse bzw. deren Zusammenhänge beleuchtet und erläutert werden. 

Dies soll zur nachhaltigen Nutzung und dauerhaften Erhaltung von Kunst- und Kul-turgut beitragen.

 

Im ersten Schritt soll ein Sachstandsbericht zum Stand des Wissens zum Thema klimatisch bedingter Schadensprozesse an Kunst- und Kulturgut erarbeitet und veröffentlicht werden.
Im zweiten Schritt wird aus diesem Bericht ein Merkblatt zu Klimazielwerten für die Erhaltung von Kunst- und Kulturgut abgeleitet.

Arbeitsgruppe 10.4: Messen und Klimamonitoring

Leiter der Arbeitsgruppe: Dipl.-Ing. Simone Reeb MBA

 

Nur in seltenen Fällen wird im Vorfeld von geplanten Maßnahmen mit bauklimati-schen Auswirkungen ein Monitoring vorgesehen und durchgeführt. Häufig ist die zur Verfügung stehende Messdauer zu kurz und das Messkonzept nicht zielgerichtet geplant.

 

Klimamonitoring erfolgt in vielen Fällen erst nachdem sichtbare Schäden an der Raumschale oder Ausstattung aufgetreten sind. Dies führt nicht nur zu Mehrkosten, sondern im ungünstigen Fall zu unwiederbringlichen Verlusten der historischen Substanz.

 

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den notwendigen Fragestellungen, Methoden, Vorgehensweisen, Technologien, Messinformationen und der Bewertung der gesam-melten Messdaten. Mit den erarbeiteten Ergebnissen soll der angesprochenen Ziel-gruppe ein Instrument zur Verfügung gestellt werden, das es ermöglicht ein zielge-richtetes Klimamonitoring zu beauftragen und zu realisieren.

 

Das Ergebnis der Arbeitsgruppensitzungen soll als Sachstandsbericht veröffentlicht werden. Gegebenen­ falls können aus diesem entsprechende Merkblätter generiert werden.

Arbeitsgruppe 10.5: Gebäudetechnische Konzepte und Anlagen

Leiter der Arbeitsgruppe: Prof. Dr.-Ing. Harald Garrecht

 

Problembeschreibung:

  • In der Praxis stehen zahlreiche gebäudetechnische Konzepte und anlagentechni-sche Systeme für die Raumluftkonditionierung zur Verfügung, deren Einsatz zur Stabilisierung des Raumklimas in historischen Räumen grundsätzlich denkbar er-scheinen aber ohne eine differenzierte Betrachtung der räumlichen Besonderhei-ten, der Baukonstruktionen, der Ausstattung, der Raumschale und der jeweiligen Nutzung zu erheblichen Problemen oder gar Verlust historischer Werte führen können. Unter gebäudetechnischen Konzepten werden dabei nicht nur alleine die anlagentechnischen Systeme, sondern auch alle bauliche Komponenten (z.B. Fen-ster, Türen und Kamine) wie auch organisatorischen Maßnahmen (Fensterlüf-tungskonzept, Besucherlenkung etc.) verstanden, die sich auf das Raumklima auswirken. Eine zutreffende Bewertung der bauphysikalischen und raumklimati-schen Verhältnisse ist aber zwingende Voraussetzung, um denkmalgerechte und problemorientierte Maßnahmen ausarbeiten zu können.
  • Werkzeuge, mit denen die Raumklimaverhältnisse im Ist-Zustand bis hin zur Wir-kung angedachter Maßnahmen, die von einfachen Ingenieurmodellen bis zu kom-plexen Simulationsberechnungen reichen, haben sich in der Praxis des normalen Bauens bewährt, geben aber infolge der hohen Komplexität der Problemstellungen in historischen Räumen nicht immer das reale Raumverhalten wieder.
  • Folglich sind neben den typischen Planungsaufgaben, die Schaffung von Basisin-formationen mittels Monitoring ebenso wichtige Voraussetzung, wie die Auswahl geeigneter anlagentechnischer Komponenten, die wiederum von einfachsten Lö-sungen bis hin zu komplexen klimatechnischen Anlagen reichen können.
  • Seitens der Eigentümer / Nutzer sollte das technische Grundkonzept, die Wirkwei-se der anlagentechnischen Komponenten wie auch das dahinterstehende Mess- und Regelkonzept nachvollzogen werden können, um einen bedarfsgerechten und denkmalgerechten nachhaltigen Betrieb sicherzu stellen. Die Vielfalt verfügbarer technischer Lösungen, wie auch die Unterschiedlichkeit der zur Anwendung kom-menden Regelstrategien machen es aber Planenden, Ausführenden und Nutzern/ Betreibern schwer, geschlossene ganzheitliche Lösungen zu realisieren.

Die Arbeitsgruppe hat zum Ziel Grundlagen für die Findung denkmalgerechter Maß-nahmen zur Optimierung der Raumluftverhältnisse in historischen Räumen zu bil-den.

Hierauf aufbauend sollen Empfehlungen herausgearbeitet werden, mit denen geeig-nete Lösungsansätze für typische Problemstellungen zur Optimierung des Raumkli-mas entwickelt, in ihrer Wirkung abgeschätzt und auch für die spätere Baupraxis umgesetzt werden können. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Findung geeigneter gebäudetechnischer Lösungen, wobei nicht nur anspruchsvolle technische System-ansätze, sondern auch einfach umzusetzende technische Maßnahmen besondere Beachtung finden sollen. Die Entscheidungsfindung muss dabei den Anforderungen der Nutzer und Betreiber, den Forderungen der Denkmalpflege wie auch den unter-schiedlichen Wirkweisen der gebäudetechnischen Lösungen Rechnung tragen. Sowohl bei anlagentechnischen wie auch organisatorischen Maßnahmen kommt den geeigneten Regelentscheidungen eine zentrale Bedeutung zu, die in Verbindung mit den Planungen von bau- und anlagentechnischen Maßnahmen zu entwickeln sind.

All diese Fragen und Herausforderungen sollen unter Berücksichtigung ökonomi-scher und ökologischer Aspekte in einem Sachstandsbericht behandelt werden. Es wird erwartet, dass die im Sachstandsbericht zusammengeführten Zusammenhän-ge und daraus abgeleiteten Erkenntnisse in neue themenbezogene Merkblätter ein-fließen werden.

Arbeitsgruppe 10.10: Präventive Konservierung architekturgebundener Glasmalerei

Leiter der Arbeitsgruppe: Dipl.-Ing. Oliver Hahn

 

Die Arbeitsgruppe hat die Arbeiten bereits beendet und den Merkblattentwurf bei der Schriftleitung eingereicht.

Das Merkblatt will der zunehmenden Bedeutung der präventiven Konservierung, den Erkenntnissen aus Forschung und Entwicklung sowie dem sich entwickelnden Stand der Technik auf dem Gebiet der Konservierung architekturgebundener Glasmalerei Rechnung tragen. In der Praxis werden häufig Fehler bei der Beurteilung des Bestan-des, von Schäden, der Ausführung von Konservierungs- und Restaurierungsmaßnah-men sowie bei der Umsetzung präventiver Maßnahmen begangen, die einen negati-ven Einfluss auf die Erhaltung des kulturellen Erbes haben. Neue Erkenntnisse und neue Ausbildungsprofile, wie z.B. der akademisch ausgebildete Restaurator für Glas-malerei, führen zu einem zunehmend wissenschaftlicheren Umgang mit Glasmale-reien und ihren Umgebungsbedingungen. Das Merkblatt gibt den Stand der Technik, bezogen auf die Methodik der Untersuchungen und die Möglichkeiten der Präven-tion, wieder. Es hat den Anspruch, aus Fehlern zu lernen und diese Erfahrungen an-deren Fachleuten zur Verfügung zu stellen. Oftmals sind die Maßnahmen zurücklie-gender Restaurierungskampagnen Anlass für eine erneute Restaurierung.

Die Einflüsse auf Glasmalereien aus Umwelt, Nutzung und Restaurierung sind sehr komplex und vielschichtig. Das bedeutet, dass die Anzahl, die Art und die Kombina-tion der verschiedenen Einflussfaktoren an jedem Objekt anders sind und somit stets eine individuelle Herangehensweise erfordern. Diesen Anforderungen kann nur entsprochen werden, wenn sich Fachleute verschiedener Disziplinen, wie Restaura-toren, Kunsthistoriker, Naturwissenschaftler und Ingenieure an der Analytik beteili-gen und in Zusammenarbeit eine objektspezifische Lösung erarbeiten. Das Merkblatt soll unter anderem deutlich machen, dass es sich beim Erhalt von architekturgebun-denen Glasmalereien nicht um eine Standard-Planungsaufgabe handelt. Daher kommt nach der Umsetzung von Maßnahmen zur präventiven Konservierung der Kontrolle des Erfolges sowie der kontinuierlichen Pflege und Wartung eine große Bedeutung zu.

 

Die Veröffentlichung des Merrkblattentwurfes ist für Anfang 2018 geplant.

Geplante Arbeitsgruppen

Die Arbeitsgruppe 10.6, die sich im Rahmen des Oberthemas  "Klima und Klimastabilität in historischen Bauwerken" mit dem Teilbereich "Betrieb und Nutzung" beschäftigen wird, ist bereits in Planung.